BLACKOUT – Europaweiter Strom- und Versorgungsausfall über Wochen ist realistisch

Wie sähe es für Dich aus, wenn plötzlich der Strom weg ist? Kennst Du schon? Klar! Jeder hat schon einen Stromausfall mitgemacht. Wenn es jedoch zu einem sehr großen Ausfall kommt, also einem Stromausfall derart großen Ausmaßes, dass es auch zu Engpässen (bzw. Totalausfällen) in der Infrastrukturversorgung kommt, dann reden wir von einem Blackout. Da es bei einem massiven und weitreichenden Stromausfall zu Kettenreaktionen innerhalb des Stromversorgungsnetzes führt, geht man davon aus, dass sich der Ausfall leicht auf ganz Europa ausweiten kann. In diesem Artikel erwartet Dich eine kurze Hintergrundinfo sowie Möglichkeiten, Dich und Deine Familie bei einem längerfristigen Strom- und Versorgungsausfall, zu schützen.

Was ist ein Blackout genau?

In unserer modernen Gesellschaft, die sich durch Güter und Dienstleistungen versorgt, gibt es kaum größere Unterbrechungen dieser hochvernetzten kritischen Infrastruktur. Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem, die Informationstechnik, Telekommunikation, Transport und Verkehr, Energieversorgung, Gesundheitswesen… Bei einem Stromausfall, der sich auf große (geologische) Gebiete erstreckt, sind diese Bereiche betroffen, und können ihre Dienste nicht mehr, oder nur noch sehr eingeschränkt ausführen. Wenn sich dieser Stromausfall über längere Zeit hinweg zieht, kollabiert unsere Gesellschaft, das Leben wie wir es kennen, steht dann still. Zusammengenommen bezeichnen wir dieses Katastrophenszenario als Blackout.

Blackout, auch ein Thema von Reality-Autoren

Marc Elsberg, Autor des Buches “Blackout” beschreibt 2018 in seinem Werk, wie leicht zerstörbar das europaweite Strom-Verbundnetz ist. In seinem Buch wählt er das Terrorismus-Szenario. Glaubwürdig erzählt er von einem in Mailand lebenden IT-Spezialisten, der den Stromausfall in der Stadt hautnah miterlebt. Schnell wird klar, dass sich der Horror auf ganz Italien, sogar auf ganz Europa gelegt hat. In der Geschichte wird das Szenario ausreichend fachlich belegt, ich finde auch ein Laie kann den Informationen und dem Geschehen folgen.

Wie entsteht ein Blackout überhaupt?

Ein Blackout kann durch menschliches oder technisches Versagen Zustandekommen. Durch einen einzigen Umstand (Beispiel 08.01.2021 in Kroatien {1}: Technisches Versagen, automatische Abschaltung eines 400 KV Sammelschienenkupplers durch einen Überstromschutz – nahezu Blackout) kommt es zu einem Dominoeffekt an Ereignissen, die das hochsensible Stromnetz dann durch – unter anderem – einseitige Überlast in die Knie zwingt. Der Dominoeffekt sorgt im Endeffekt somit für das Abschalten ganzer Regionen, das wiederum andere Regionen in die Abschaltung zwingt. Auch Epidemien, Terrorismus oder extreme Wetterereignisse kommen dafür infrage.

Was tut der Staat bei einem Blackout?

Unser Staat setzt auf Katastrophenmanagement. In Friedenszeiten sind die Länder für eine Umsetzung des Zivil- und Katastrophenschutzes verantwortlich {2}.

Dabei verlässt sich die Politik nicht nur auf eine (hoffentlich) funktionierende Katastrophenabwehr, sondern stellte auch eine Studie in Auftrag. Die Studie (2011 veröffentlicht) ist vom “Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag” (TAB). Der Titel lautet Was bei einem Blackout geschieht – Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls {3}.

Das TAB wurde dazu beauftragt, die Folgen eines Blackouts systematisch zu analysieren. Außerdem sollten die Möglichkeiten und Grenzen des Katastrophenschutzes zur Bewältigung einer solchen Großschadenslage dargestellt werden. Die Studie ist enorm interessant, sie zeigt zu Beginn das Krisenmanagementsystem Deutschlands auf. Dann geht sie auf die Folgen eines möglichen Blackouts ein, und informiert den Leser detailliert darüber, was sich in vielen Sektoren bei einem Stromausfall abspielt. Dabei geht die Arbeit auf die kritischen Infrastrukturbereiche wie “Informationstechnik und Telekommunikation”, “Transport und Verkehr”, “Wasserversorgung und Abwasserentsorgung”, “Lebensmittelversorgung”, “Gesundheitswesen”, “Finanzdienstleistungen”, ein. Auch ein Fallbeispiel “Gefängnis” wird erörtert. Auch die verhaltensbezogenen Folgen, psychologische Faktoren, kommen in ihr zum Tragen.

Wie kann so ein Blackout ablaufen?

Ich hatte am 14.07.2021 auf der infraKON 2021 (Süd-Tour) das Vergnügen, Herbert Saurugg kennen zu lernen. Die infraKON ist eine Informations- und Lehrveranstaltung ausgesuchter Spezialisten aus den Bereichen Strom / Energie, Klima, IT sowie Infrastruktursicherheit. Sie richtet sich vornehmlich an Betreiber kritischer Infrastrukturen, wie in meinem Fall für große Rechenzentren.

Herbert Saurugg, der in seinem Lebenslauf bereits sehr viele Themen im Bereich Sicherheit, Vernetzung und Blackout vorweisen kann, begann seine berufliche Karriere im österreichischen Militär als Major für Militärische- und Cyber-Sicherheit. Er ist Krisen- und Notfallmanager. Als Sicherheitsexperte treibt er das Thema rund um den Blackout nun schon viele Jahre. Seine Expertise war ihm in seinem Vortrag anzumerken und technisch versierte Zuhörer kamen auf Ihre Kosten und hatten das eine oder andere “AHA”-Erlebnis. Die Überschrift lautete “Warum die Notstromversorgung bei einem Blackout nicht ausreichen wird”. Ich kenne die Sicherheitsmaßnahmen in unseren Rechenzentren. Von der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) bis zum mächtigen Dieselaggregat, das tagelang für Energie sorgt, und im Extremfall per LKW so viel Dieselnachschub erhalten kann, dass einem schwindelig wird. “WAS kann uns schon passieren?” dachte ich so bei mir.

Nun, die folgenden Infos, die ich im Beitrag hörte, oder im Nachgang auf seiner Website {4} gelesen habe, sollen Euch ebenso die Augen öffnen, und zum Nachdenken über dieses sensible Thema bewegen, wie sie das bei mir getan haben.

Herr Saurugg beginnt mit dem Szenario der drei Phasen eines Blackouts. Fast alle Menschen denken bei einem Blackout zunächst lediglich lapidar an einen “Stromausfall”. Das wäre in Sauruggs Szenario nur Phase eins (totaler Stillstand). Diese Unterschätzung der Lage ist typisch für uns Menschen, da es kaum einem bisher passiert war, dass er länger als einige (evtl. wenige) Stunden ganz ohne Strom leben musste. Nach mehreren Tagen ohne Energie, wenn durch das Fehlen des Stromes kein Kommunikationsgerät mehr funktioniert (Telefon, Handy, Internet, TV…), funktioniert auch alles andere nicht mehr: Produktion, Logistik, Tanken wird unmöglich, Einkaufen geht nicht mehr. Wer geht denn nach so einer langen Zeit ohne Strom noch an die Arbeit? Damit machen auch die Dieselaggregate der Unternehmen in diesem Stadium gar keinen Sinn mehr – wo kein Arbeiter, da keine Aufrechterhaltung nötig (und möglich). Der fehlende Kraftstoff macht es uns dann später unmöglich irgendwohin zu fahren. Damit verbleiben wir an Ort und Stelle, und werden versuchen für unsere Familien Nahrung und vor allem Wasser aufzutun. Glück für diejenigen, die einen Bach in der Nähe haben. Auch der Rettungsdienst wird nicht mehr erreichbar sein, Hilfe von außen ist nicht mehr – wenn nur lokal begrenzt – zu erwarten.

In Phase zwei, die nach einigen Tagen eintreten soll, wird davon ausgegangen, dass die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wieder funktionieren. Mehr nicht.

Erst in Phase drei, die zwischen Wochen und Monaten liegt, beginnt der Wiederaufbau der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern. Das Szenario ist viel größer, als hier in meinem kurzen Beitrag geschildert. Ich lege Euch ans Herz: Informiert Euch auf einschlägigen Webseiten, lest viel und divers. Auch in der ARD-Mediathek gibt es informative Videos zum Thema Blackout.

Bei Saurugg ist alles detailliert nachzulesen. Die Phasen, die Auswirkungen auf die einzelnen Bereiche, Nebenwirkungen in den IT-Infrastrukturen, Auswirkungen auf die Wasserver- und Abwasserentsorgung, auf die Treibstoffversorgung, auf den Verkehr und die Logistik, auf die Landwirtschaft, auf die Lebensmittelversorgung, auf die Gesundheitsversorgung, wirtschaftliche Folgen etc…

Wer sich mit dem Gedanken des Blackouts und seinen Folgen einmal auseinandergesetzt hat, erkennt, dass er etwas für sich selbst tun kann. Ihr könnt Euch und Eure Familie sehr einfach schützen. Holt Euch diverse Artikel nach Hause, die Euch für die ersten Tage und Wochen am Leben halten. Am wichtigsten ist die Systematik der Trinkwasserversorgung. Danach kommen Nahrung, Wärme (Decken…), evtl. Licht etc…

Saurugg rechnet mit einem möglichen Blackout in den nächsten fünf Jahren, und auch der österreichische Staat unterstützt seine These (mittlerweile) offiziell (Verteidigungsministerin Claudia Tanner warnt vor Blackout im Parlament). Ich hoffe sehr, Saurugg und Tanner haben in diesem Punkt unrecht.

Die Haupttreiber eines möglichen Blackouts

Auch wenn Ihr Euch sagt, der Vincent spinnt… so etwas kann im modernen Europa nicht passieren. Aluhut, Weltuntergangsspinner, Verschwörungstheoretiker bla bla… ja, es könnte sein, dass wir alle Glück haben, und nichts schlimmes passiert.

Jedoch haben wir große Störfaktoren, die wenigen in dem vorliegenden Ausmaß bekannt sind:

  • Unsere Strominfrastruktur wird durch den wachsenden Strommarkt (EU-Strombinnenmarkt = Stromhandel) gestört bzw. massiv belastet (große Stromverlagerungen über ganz Europa in Sekundenschnelle). Dieser Stromhandel wird noch weiter ausgebaut werden. Wer sich für aktuelle Stromhandelswerte interessiert, kann das zum Beispiel bei swissgrid.ch anschauen. Die Werte sind um 20 Minuten zeitversetzt.
  • Unser Netz muss 50 Hz-stabilisiert bleiben {5}. Wir (Deutschland) wollen Kohle- und Atomkraftwerke abschalten (versteht mich nicht falsch, ich bin kein Freund von umweltschädlicher Energieerzeugung. Bloß steckt da mehr dahinter als nur “schnell mal alles Schlimme ausschalten”). Es handelt sich dabei um 20 GW (Giga Watt) Leistung ohne, dass schnell für Ausgleich gesorgt würde {6}. Die riesigen Generatoren dieser Kraftwerke sorgen für ein stabiles Frequenzband. Das hängt mit der Rotationsgeschwindigkeit der synchronisierten Generatoren zusammen. Würden beispielsweise an einem Tag alle Kernkraftwerke auf einmal ausgeschaltet, wäre nicht nur die fehlende Energie ein Problem (können wir ja aus dem Ausland kaufen – HAHA!), sondern die Frequenz, die plötzlich abfällt. Das Energienetz wird Europaweit auf 50 Herz synchronisiert. Fällt (oder steigt) dieser Wert um 0,2 Hz, steigt die Wahrscheinlichkeit drastisch an, dass das Stromnetz zusammenbricht.
  • Steigender Energiebedarf. Elektroautos etc… Experten gehen davon aus, dass der Energiebedarf in Deutschland bis 2030 auf knapp 7 TWh (7 Milliarden Kilowattstunden) anwachsen wird. Ein Bericht des MDR, der sich dabei auf den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie den Bundesverband Erneuerbarer Energien (BEE) bezieht, kann unter {7} abgerufen werden. Das sind rund 40 % mehr gegenüber 2021.

Einige bedenkliche Stromausfälle aus der Vergangenheit

Es gab durchaus bereits bedenkliche Stromausfälle. Die hier vorgestellten habe ich von der Seite srf.ch.

  • Italien 2003: 57 Millionen Menschen betroffen (ganz Italien). Ausfalldauer: Bis zu 18 Stunden (je nach Provinz). Ursache: Überlastung einer Hochleitung mit Entladung an einem nahen Baum (in der Schweiz).
  • Indien 2012: 620 Millionen Menschen betroffen. Ausfalldauer: 15 Stunden. Ursache: Menschliches Versagen (Indische Bundesstaaten zogen mehr Strom, als ihnen zustand).
  • USA 2012: 8 Millionen Menschen betroffen. Ausfalldauer: 7 Tage. Ursache: Naturereignis (Hurrikan “Sandy”) – teilweise mussten sich Menschen aus 17 Bundesstaaten bis zu 2 Wochen selbst helfen.
  • Pakistan 2015: 140 Millionen Menschen betroffen. Ausfalldauer: 24 Stunden. Ursache: Rebellen sabotierten einen Übertragungsmasten (Sprengung), die Stromversorgung brach damit zusammen (einseitige Überlast).

Wie können wir uns im Fall des Falles selbst helfen?

Wir können einen Blackout nicht selbst verhindern. Ein schnelles Umdenken der Politik ist hier notwendig. Wir können uns und unsere Familie im worst case jedoch schützen. Im Internet gibt es viele Beiträge, die einem auflisten, was es an Grundversorgung zu beachten gilt. Ich zeige Euch hier ein paar Beispiele, die ich uns persönlich zugelegt habe. Sie kosten nicht viel, können jedoch unsere Leben retten, sollte es zu einem richtigen Blackout kommen.

Bei der Auswahl meiner Dinge, dich ich für uns gekauft habe, habe ich mich zunächst primär auf unsere Wasserversorgung konzentriert, alles andere kommt nachrangig (Preise aus Dezember 2021).

Denkt auch an haltbare Nahrungsmittel wie Konservendosen etc… oder ein Batterieradio. Das (Batterie)radio stellt den wichtigsten Kommunikationskanal dar. Dazu zitiere ich aus {3} (Seite 90 unten) folgenden Text im Original: “Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten müssen einen gesetzlichen Versorgungsauftrag für Notfallkommunikation und -information erfüllen. Entsprechend verfügen die Rundfunkanstalten über Notfallstudios, mit denen ein reduzierter Produktionsbetrieb über mehrere Tage aufrechterhalten werden kann.

Natürlich hält das Radio nicht für Wochen. Jedoch in den schlimmsten, ersten Tagen, können diese Informationen viel bewirken!

Fazit und Information

Denkt über das Thema Blackout wie Ihr wollt, und handelt nach Euren Bedürfnissen und nach Eurer Überzeugung. Das macht Ihr ja eh. Das ist auch gut so. Individualismus und eigene Ordnung sind bis zu einem gewissen Grat der Garant für eine vielfältige und offene Gesellschaft.

Ich empfinde entsprechend meiner eigenen (Werte-)Ordnung das Vermitteln von Hilfe als eine Pflicht, die ein Jeder auf seine eigene Art und Weise zu erfüllen hat. In dem vorliegenden Thema bin ich persönlich davon überzeugt, dass dieser Fall eintreten könnte. Europaweit. Ich bin technisch in der Lage zu verstehen (durch Ausbildung, Fortbildung, Beruf etc…) was es bedeutet, wenn zu Beginn des Textes aufgeführte Merkmale, eintreten. Entsprechend versuche ich darauf zu reagieren. Eine Reaktion ist in dem Fall jedoch nicht – oder nur in Teilen – möglich. Deshalb sollten wir präventiv dagegen vorgehen, um die Wirkung abzumildern.

Im vorhergehenden Kapitel “Wie können wir uns im Fall des Falles selbst helfen?” verlinke ich auf Amazon. Wenn jemand über diese Links etwas kauft, erhalte ich eine kleine Provision. Dein Kaufpreis wird dadurch NICHT teurer. Der Artikel kostet was er immer kostet. Ich werde nur für meine Zeit, die ich investiere, und den Kosten, die ich zum Erhalt dieser Website zu tragen habe, unterstützt.

Ich finde es wichtig, dass Du die angefügten Links oder die Links direkt im Text aufrufst und aufmerksam durchliest.

Nur wer das Ganze betrachtet, sieht das Bild, das es zu verstehen gilt.

Liebe Grüße an alle mir ans Herz gewachsene, und an alle sonst,
Vincent, im Dezember 2021

 

Vereinfachtes Literaturverzeichnis:

{1} https://www.heise.de/news/EU-Stromnetz-Umspannanlage-in-Kroatien-verursachte-beinahe-Blackout-5037378.html

{2} https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bevoelkerungsschutz/zivil-und-katastrophenschutz/gefahrenabwehr-und-katastrophenschutz/gefahrenabwehr-und-katastrophenschutz-node.html

{3} https://publikationen.bibliothek.kit.edu/140085927 – Direktlink zum PDF-Download vom Karlsruher Institut für Technologie: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/140085927/120049880

{4} https://www.saurugg.net/

{5} https://www.netzfrequenz.info/wissenswertes/netzfrequenz.html

{6} https://www.heise.de/tp/features/Europa-auf-dem-Weg-in-die-Katastrophe-6129907.html?seite=all

{7} https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/stromverbrauchsprognose-altmaier-reaktionen-mitteldeutschland-100.html

Wie Online Apotheken durch Corona einen Boom erleben

Online-Apotheken erleben einen Corona-Boom!

Quelle: Pixabay.com – mohamed_hassan – https://pixabay.com/de/illustrations/arzt-online-medizinische-chat-4068134/

Die Corona-Krise hat dem Online Handel einen enormen Schub verpasst. So profitieren nun große E-Commerce Konzerne von der Schließung vieler Geschäfte und für alle tun sich neue Möglichkeiten des digitalen Handels auf. Ein Profiteur, der auf keinen Fall außer Acht gelassen werden sollte, sind Online Apotheken. Denn obwohl die stationären Versorger weiterhin ihre Türen für Patienten geöffnet haben, kaufen die Menschen nun vermehrt online ein. Ist der Apothekenmarkt nun im Umbruch und laufen die Online Anbieter nun den stationären Apotheken den Rang ab?

Corona und die Apotheken

Natürlich ist die Nachfrage an Desinfektionsmitteln, Gesundheitsmasken oder auch Vitaminpräparaten durch das Coronavirus deutlich gestiegen. Man könne sogar sagen, dass die Aufträge in den Online-Apotheken dadurch regelrecht explodierten, waren in vielen stationären Geschäften solche Güter restlos ausverkauft.

Selbst Nahrungsergänzungsmittel wurden so gekauft wie nie zuvor, sorgen sich die Menschen nun deutlich mehr um ihre Gesundheit als zuvor. „Besonders Präparate zur Stärkung des Immunsystems und Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit, beispielsweise Vitamin D3, Vitamin C oder Zink, haben einen regelrechten Boom erlebt“, weiß Dannie Hansen, der mit Sundt.de selbst einen Onlineshop für Nahrungsergänzungsmittel betreibt.

Online Apotheken und die Preise

Schon vor der Corona-Krise gab es die Online Apotheken, und zwar schon seit dem Jahr 2004. Ein Gesetz sicherte den Arzneimittelversandhandel rechtlich ab, sodass für Apotheken der Weg frei war für die Einrichtung eines Onlineshops. Das betrifft nicht nur rezeptfreie Medikamente oder natürliche Heilmittel, sondern auch die verschreibungspflichtigen Varianten. Patienten müssen dafür lediglich ihr Rezept einsenden und erhalten ihre Medikamente bequem per Post. Ein weiterer Vorteil: die Preisgestaltung. Denn in Online Apotheken werden Kunden oftmals Rabatte angeboten, sodass selbst bei Medikamenten ein Preisvergleich zu Ersparnissen führen kann.

Mit dem Gesetz aus dem Jahr 2004 wurde schließlich auch die Preisbindung für Medikamente aufgehoben. 2016 sogar die für verschreibungspflichtige Mittel – Ring frei für den Kampf der Apotheken. Denn vor allem stationäre Anbieter beklagen sich über einen ungerechten Wettbewerb durch Rabattaktionen. Mittlerweile bieten mehr als 150 Online Apotheken ihre Versanddienste für Patienten an, seit Corona ist der Anteil der Versandapotheken sogar nochmal um mehr als 2 Prozentpunkte gestiegen. Der Umsatz stieg im 2. Quartal 2020 um satte 67,1 Prozent – das macht 267 Millionen Euro aus.

E-Rezept könnte Trend befeuern

Die Werbung von DocMorris, Medpex oder Shop Apotheke flimmern fleißig über den Fernsehbildschirm. Diese bauen ihre Marktanteile stetig aus, sind in den Google Suchergebnissen immer ganz vorne mit dabei und erfreuen sich über eine stetig wachsende Kundschaft. Ein weiterer Meilenstein für diese Art des Medikamentenversandes könnte nun das E-Rezept werden, welches mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) eingeführt wurde. Patienten ist es dadurch möglich, via Video-Sprechstunde ein Rezept zu erhalten und auch online bei der Apotheke einzulösen.

Derzeit funktioniert das nämlich nur per Post, was für viele Patienten gerade im rezeptpflichtigen Bereich noch eine Hürde darstellt. Dennoch: Spahn möchte auch den stationären Apotheken unter die Arme greifen und ein Gesetz erlassen, welches die Rabatte in Versandapotheken verbietet und für Chancengleichheit bei allen Marktteilnehmern sorgt. Wie, ob und wann das Gesetz tatsächlich in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt, dürften vor allem die Online Anbieter entschieden dagegen vorgehen.

Exergaming: Mit Spiel und Spaß zu mehr Bewegung

Exergaming: Mit Spiel und Spaß zu mehr Bewegung

Quelle: Unsplash.com – NATHAN MULLET – https://unsplash.com/photos/HqppBV0Uonw

Exergaming wird besonders im Lockdown immer beliebter. Was das bedeutet? Kurz gesagt eine Mischung aus Sport und Gaming. Fitnessspiele, die gleichzeitig die Gaming-Komponente mit einbeziehen, sollen vor allem die Couchpotatoes dazu bringen, etwas mehr Bewegung in ihren Alltag zu integrieren und dabei so gar nicht an Anstrengung zu denken. Statt sitzend mit Tastatur und Gamepad wird also beim Exergaming mit Bewegungssensoren oder Bilderkennungsverfahren gearbeitet. Gleichzeitig machen die Spiele unheimlich viel Spaß und können mit der ganzen Familie gezockt werden.

Exergaming für die körperliche Fitness

Viele Online Games haben gerade durch Corona den Durchbruch schlechthin erlebt. Neben Online Casinos, Browserspielen oder den klassischen Games für die Lieblingskonsole, sind nun auch Exergames immer mehr im Kommen. Kein Wunder, denn die Fitnessstudios haben schließlich dank Corona geschlossen – Bewegung im Alltag sollte aber trotzdem stattfinden, auch bei den Kleinen. „Erwachsene sollten sich mindestens 20 bis 30 Minuten am Tag bewegen. Wer dabei noch abnehmen will, muss sich an ein Ziel von etwa 10.000 Schritten pro Tag halten“, weiß Timo Werner von fitforbeach.de.

Exergaming schafft den Spagat zwischen Sport und Spaß, der vielen bei körperlich anstrengenden Trainings-Intervallen im Fitnessstudio fehlt. Per Gamification und Challenges werden User spielerisch zu körperlicher Leistung gebracht, welche währenddessen gar nicht als solche wahrgenommen wird. Zwar ist auch das Exergaming – je nach Spiel – anstrengend, jedoch überwiegt dabei der Spaß, sodass die Motivation erhalten bleibt und Nutzer an ihren Erfolgen arbeiten. Besonders, wenn es darum geht, gegen seine Mitspieler anzutreten, spielt aufgeben keine Rolle.

Exergaming an der Konsole

Etwas ältere Gaming-Fans können sich wohl noch an Eye Toy für PlayStation 2 erinnern, ein Spiel aus dem Jahr 2005, welches mit einer Kamera die Bewegungen der Spieler erfasste. Zwar ließ die Ausgestaltung und die Bewegungserkennung oftmals zu wünschen übrig, jedoch wurde das Spiel über 10 Millionen Mal verkauft. Nintendo legte im darauffolgenden Jahr noch einen drauf und ermöglichte mit der Nintendo Wii das Exergaming in mehreren Ausführungen. Zubehör wie das Wii Balance Board verschafften dem Exergame Wii fit einen Boom, der sich in über 21 Millionen Käufen äußerte.

Auch die Xbox legte mit Kinect und die PlayStation mit dem Move-Controller nach. Derzeit ist Nintendo wieder stark im Rennen und bietet für Nintendo Switch beispielsweise das Exergame Ring Fit Adventure oder andere Bewegungsspiele an. JustDance, FitnessBoxing und Co. holen die Leute vom Sofa nun wieder vor den Fernseher. Auch die virtuelle Realität mit PlayStation VR spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle, sollen Trainingseinheiten und Bewegungsspiele so noch intensiver gestaltet werden. Durch das Eintauchen und die Interaktion mit der virtuellen Umgebung bekommt das Exergaming nochmal eine ganz andere Bedeutung.

Exergaming im Fitnessstudio oder der Schule

Dass besonders die jüngere Generation häufig die Konsole einschaltet, macht das Exergaming auch für Schulen interessant. Der Sportunterricht kann dort durch Fahrradergometer mit integrierten Spielen ergänzt werden, sodass der anstrengende Teil der körperlichen Belastung in den Hintergrund rückt. Selbst Fitnessstudios können durch den Einsatz von Exergaming Geräten deutlich mehr Besucher anziehen. Auch in Deutschland versetzte bereits ein Fitness-Startup die Menschen ins Staunen. Das Münchener VR-Fitness-Unternehmen ICAROS entwickelte bereits mehrere Geräte, die Fitness mit VR kombinieren und einzigartige Trainingserlebnisse garantieren.